Induktiv vs. Deduktiv
Zwei Forschungsansätze im Vergleich
In der wissenschaftlichen Forschung gibt es verschiedene Wege der Erkenntnisgewinnung. Die induktive und deduktive Vorgehensweise wird häufig in der Psychologie angewandt. In diesem Beitrag gehe ich auf die Unterschiede und Anwendung dieser beiden Konstrukte näher ein.
Induktion
Bei der Induktion wird von Einzelfällen ausgegangen. Von diesen Einzelfällen wird auf das Allgemeine beziehungsweise das Gesetzmäßige geschlossen. Zur Erfassung dieser Einzelfälle können Methoden wie Einzelbeobachtungen oder Einzelfallanalysen herangezogen werden.
Beispiel:
Schauen wir uns mal das klassischste Beispiel an zur Erklärung der induktiven Vorgehensweise: der Schwan. Weil wir bisher in unserem normalen Umfeld nur weiße Schwäne gesehen haben, gehen wir davon aus, dass auch nur weiße Schwäne existieren. Somit wird von dem Einzelfall, dass wir nur weiße Schwäne kennen, auf die Allgemeinheit geschlossen, dass es nur weiße Schwäne gibt. Aber nachweislich existieren auch schwarze Schwäne. Diese werden bei dieser Betrachtung aber nicht berücksichtigt.
Anwendung von Induktion
Die Induktion ist die sogenannte Alltagsstrategie. Das heißt wir verwenden diese Strategie ständig unterbewusst in unserem Alltag. Wir nehmen Dinge wahr und bewerten Sie meist direkt. Dabei berücksichtigen wir nur die Inhalte, welche uns in diesem Moment zur Verfügung stehen. Das kann sehr häufig zu Fehleinschätzungen führen. Diese Vorgehensweise ist also nicht als unproblematisch zu sehen, denn induktive Schlüsse lassen sich nicht nachhaltig begründen. Dennoch ist die induktive Vorgehensweise für qualitative Methoden relevant. Daher sollten die Erkenntnisse immer kritisch hinterfragt werden.
Deduktion
Bei der Deduktion hingegen ist es genau andersherum. Die Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel Modelle oder Theorien, sind der Ausgangspunkt dieser Vorgehensweise. Davon wird das Besondere beziehungsweise der Einzelfall abgeleitet. Es wird also vom Allgemeinen ausgegangen und dann auf das Einzelne geschlossen.
Beispiel:
Das bedeutet ein forschender Wissenschaftler geht zum Beispiel von einer Theorie aus, die erstmal seine Forschungsfrage grob beantwortet. Eine Theorie kann auch eine grobe Zusammenstellung des bisher erlangten Wissens sein. Davon ausgehend werden Hypothesen abgeleitet, die sich dem Forschungsziel annähern. Die Hypothesen müssen eine konkrete Aussage haben, damit sie im späteren Verlauf konkret auf ihre Berechtigung geprüft werden können.
Anwendung von Deduktion
Die Deduktion ist eher für quantitative Methoden relevant. Dort werden die aufgestellten Hypothesen anhand von inferenzstatistischen Methoden geprüft. Sie lassen sich dann innerhalb der Forschungsumgebung bestätigen oder widerlegen. Je nach Inhalt deiner Hypothese müssen verschiedene Methoden angewandt werden. Hier kommt es auf die Art der Formulierung an. Betrachte deine Forschungsergebnisse immer kritisch und berücksichtige mögliche Ausreißer.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine der beiden Vorgehensweisen zuverlässiger ist oder weniger gute Forschungsergebnisse bietet. Induktion und Deduktion sind zwei komplett verschiedene Ansätze, welche sich in unterschiedlichen Forschungsprozessen anwenden lassen. Wenn du induktiv vorgehst, ist das Ziel eine eigene Theorie aufzustellen. Bei der deduktiven Vorgehensweise testest du eine vorhandene Theorie in deiner eigenen Forschungsumgebung.
Die Forschungsergebnisse solltest du immer kritisch betrachten und in Abhängigkeit mit der Methodik würdigen.
Beide Forschungsansätze können auch miteinander kombiniert werden. Dies kommt besonders im Mixed Method Ansatz vor, wenn quantitative und qualitative Methoden miteinander vermischt werden.